Frieda und die letzte Fahrt von „Antje“

 

 

 

Frieda wollte unbedingt jemandem, bei dem sie sehr gerne  unter anderem, beim  W:O:A  verweilt, zum 70. Geburtstag gratulieren. Als sie ankamen, gab es zwar einen tollen geschmückten Vorgarten, aber weit und breit kein Geburtstagskind?! Frieda dachte sich, das waren bestimmt diese tollen Nachbarn von Antje und Volker. Im Norden ist es oft so, dass wenn jemand mit dem Hammer um das Haus läuft, die Nachbarn schon anfangen, ein Fest zu planen, Kränze zu binden, oder ähnliches.

 

 Ihr seht ja selbst was für schöne Gebilde dabei herauskommen J

 

Wenn sie nicht am Haus waren, konnten sie nur in Beidenfleth, bei Ihrem Segelschiff „Antje“ sein. Jetzt wurde Frieda stutzig;  2 X Antje?!

 

Wir fuhren durch Vaale, in Gedanken ein Lächeln an Carolin geschickt. Was sie wohl heute wieder anstellt? Weiter geht’s, die Gedanken an sie, waren von kurzer Dauer, denn bald waren wir auch schon in Beidenfleth, am Beidenflether-Segler-Verein e.V. www.bsv-beidenfleth.de

Hier wurden wir freundlich empfangen und uns bestätigt, dass Antje und Volker bei Ihrem Segelboot waren.

Frieda schlich sich bemüht leise auf dem Bootssteg an die Beiden heran, aber Volker mit seinen Adleraugen entdeckte sie prompt und strahlte über das ganze Gesicht. Die Geburtstagsüberraschung gelang uns Bestens und Antje bestätigte uns, dass es eine tolle Idee war, hier her zu kommen. Es wird erst einmal eine kleine Kaffeepause eingelegt, nachdem das hübsch verpackte Geschenk überreicht und mit Liebe betrachtet wurde. Genau, Antje wurde 70 Jahre, die Dame auf dem wunderschönen schwarz/weiß Bild. Wir haben darüber berichtet ;-))

 

Danach sind Beide recht agil auf dem Boot unterwegs und Frieda fragt sich, warum sie denn so viel machen, alle hektisch herum wuseln und trotz Geburtstag, keine Feierstimmung aufkommt. Naja, 70 Jahre, ist schon ein sehr guter Grund um ausgiebig zu feiern?! Nichts da, Antje räumt im Inneren auf und Volker ist draußen am Segel.

 

Sie erklären, dass „Antje“, so heißt auch das Segelschiff, für ihre letzte Reise zu Recht gemacht wird. Ah, jetzt wird für Frieda einiges klar, daher weht der Wind.

 

Sie möchten nein, so kann man es eigentlich nicht umschreiben, sie müssen das Schiff aus Altersgründen verkaufen. Frieda erkennt ganz deutlich im Gespräch, wie schwer es beiden fällt, besonders aber Volker, ihre  „Antje“ auf ihre letzte Fahrt zu schicken.

 

Das Schiff ist schon lange im Besitzt der Familie, bestimmt 10-15 Jahre, wahrscheinlich noch länger, eine gefühlte Ewigkeit.

 

Es gab noch ein zweites, ein Motorboot, ebenfalls eine *Antje*, aber auch das hat schon lange andere Eigner.

Irgendwie kommt nach dem Gespräch eine Stille auf, die zeigt, dass der Abschied zwischen Boot und Eigentümern nicht einfach wird und Frieda versucht sich auf ihre Art nützlich zu machen und stellt viel Blödsinn an, um abzulenken.

Sie versucht sich vorzustellen, dass sie mal mit so einem Boot segeln darf und probiert alles einfach mal aus und fühlt sich schon als kleine Schafkapitänin.

Also so eine Kapitänin zu sein findet sie schon Klasse und benimmt sich, als wenn ihr die „Antje“ gehört! Unglaublich unser Schäfchen.

Geräusche auf dem Schiff ziehen Frieda aus ihrer Traumwelt in der sie gerade versunken war!

 

Oh, Volker wirkt am Deck herum, vielleicht kann ich da helfen, denkt sie sich und springt überall an Bord herum und versucht tatkräftig mit anzupacken. Jeder der Frieda ein wenig kennt, fragt sich, ob unser kleiner Springinsfeld denn eine große Hilfe sei?!

 

 

 

Dann sitzt sie mal hier - hängt mal da ab und spielt ein bisschen Jack Sparrow, hüpft allen ein wenig unter den Füßen herum, beschließt dann, auf das Deck zu gehen, um die Seele etwas baumeln lassen.

 

Puhh, sie ist ja so gestresst …… ohne Worte.

 

 So genießt sie die kleine, steife Brise die über die Stör geht und ist dankbar, dass sie diesen Tag auf der „Antje“ und mit Antje und Volker verbringen darf.

 

Die Stör, ist ein Unterlauf durch die Gezeiten beeinflusster rechter Nebenfluss der Elbe in Schleswig-Holstein. Vom Fließwassertyp her handelt es sich um ein Marschengewässer. Quelle Wikipedia, falls Euch mal jemand fragt, ok??

 

In einem unbeobachteten Moment lässt Frieda es sich nicht nehmen, noch einmal die Szene in der Titanic nachzuspielen. Sie spürte die Umarmung vom imaginären Jack, uuuiiiihhhh 

Ach Frieda, unsere kleine Träumerin.

 

 

 

Dann kommt Horst dazu, ein Vereinsmitglied vom Segelverein und bespricht mit Volker die anstehende letzte Fahrt der „Antje“ zu ihrem neuen Besitzer. Die Beiden wollen zusammen die Fahrt von Beidenfleht nach Föhr bestreiten. Dort wartet der neue Schiffseigner vom Segelboot. Frieda und der Rest, wie Familie und Freunde sind sich einig, besonders für Volker wird es eine harte Fahrt, seine „Antje“ in einen anderen Heimathafen anzulegen. Frieda nimmt Horst das Versprechen ab,  gut auf Volker und das Schiff aufzupassen.

 

 

 

Dann geht es auch schon los, die letzten Momente mit der „Antje“ brechen an.

Das stehen sie, jeder geht wohl seinen eigenen Gedanken nach:  Das schöne Gefühl, als sie ihr Boot gekauft haben, Pläne die geschmiedet wurden, Reiseziele auf der Landkarte herausgepickt und dann die Reisen mit ihrer „Antje“.

Aber auch die viele Arbeit nicht zu vergessen: Winterfest machen, Frühjahrsputz etc.

 

Irgendwie ist es so traurig, aber alles Alte birgt auch etwas Neues  und so werden die letzten Sachen vom Schiff gebracht. Es ist, wie es ist die „Antje“, verlässt ihren Steg und den Segelverein.

Ein Lebenstraum von Volker endet mit der Abgabe vom Boot. Volker wollte immer zur See fahren, aber wie das Leben so ist, manchmal kommt „das Leben“, dazwischen. Frau, Familie und in den letzten Jahren das eine, oder andere Zipperlein.

Am nächsten Morgen starten Volker und Horst zu sehr früher Stunde auf der Stör Richtung Föhr (oh, es reimt sich und was sich reimt ist gut!!)

Die Bilder, die wir jetzt zeigen und die uns Horst für Frieda gemacht hat sprechen für sich.

Danke, lieber Horst, dass Du dich mit Frieda verbündet hast und wir diese Fahrt somit begleiten dürfen.

Sich von etwas zu trennen,  wofür man so viel  Zeit in seinem Leben investiert hat, tut arg weh. Frieda versucht sich das vorzustellen. Die 2-3 Tage auf See, in der Volker und seine „Antje“,  noch einmal gemeinsam alle Hürden nehmen, machen den Abschied nicht leichter.

 

In Föhr angekommen trifft dann auch der neue Eigner am Hafen ein und Volker erklärt dies und jenes, gibt wertvolle Tipps im Umgang mit „Antje“ weiter, denn auch sie hat eine Seele, oder?! J

UND DANN............................

 

 

 

Dann ist der letzte Moment gekommen, bloß nicht mehr umdrehen. Das Verhältnis zum neuen Eigentümer ist gut, so weiß Volker doch, das sie in „gute Hände“ kommt, dennoch…

 

 

 

Die Rückreise wird still…………

 

Frieda hat schon Kontakt mit dem neuen Eigner aufgenommen, das war doch klar, oder und lässt Dich wissen lieber Volker:

Die LM 27 *Antje*, wird für ihr *Gut in Schuss sein* schon allseits bewundert, sie behält ihren Namen und die ersten Stunden/Nächte auf ihr wurden mit Bravour gemeistert.

Sie ist mit „ihrer Seele“ und allem was dazu gehört in den besten Händen, für die nächsten 43 Jahre, mindestens, so der neue Eigner auf Föhr!

Es ist nicht so, dass jetzt in Volkers Leben, Ruhe eingekehrt ist, nein ;-))

Derzeit steht wieder mal ein alter, abgewrackter Traktor auf dem Gelände, der wie viele andere in den letzten Jahren, darauf wartet, mit repariertem Motor, frischem Lack und neuem, eingehauchtem Leben, auf neue Besitzer wartet.

Volker und seine Motoren, auch eine Liebe fürs Leben.

Alles Liebe,

 

Frieda & Crew

 

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Kommentare: 9
  • #1

    Horst Meyer (Freitag, 23 September 2016 23:14)

    Veelen Dank Volker dat ick de Reis mit die moken dörft.
    20johr hebbt wie dicht nebeneinanner legen und nun iss dat förbie.
    Allns Goode för die und Antje
    Horst Meyer

  • #2

    Gustav Gans (Samstag, 24 September 2016 10:28)

    Liebe Frieda,

    wie liebevoll Du diesen letzte Fahrt der Antje geschildert hast. Wie gut, dass im Abschluss die Antje einen würdigen neuen Heimathafen gefunden hat.
    Eine Deiner so zu Herzen gehenden Geschichten!

  • #3

    Kathrin (Samstag, 24 September 2016 13:31)

    Schön, dass wir dank dir Frieda an diesem Abschied teilnehmen durften.
    Liebe Grüße aus Hessen an Antje und Volker

  • #4

    Anne (Samstag, 24 September 2016 14:45)

    total schöne geschichte, ich hatte das gefühl mit bei der reise zu sein, herrlich

  • #5

    Kerstin B. (Samstag, 24 September 2016 18:00)

    Hallo Frieda. Einfach toll, daß Du Volker und Antje auf der Seereise begleitest hast. Anscheinend wirst Du auch nicht seekrank, dafür bekommst Du schon mal einen Huf hoch von mir.

  • #6

    inge martens (Samstag, 24 September 2016 19:11)

    Hallo Frieda. Super das du mit Volker und Antje auf der Reise nach Föhr dabei warst, und das wir dieses Erlebnis in Wort und Bild miterleben dürfen. Danke dafür .
    Viele Grüße aus Hennstedt Uwe und Inge

  • #7

    Susanne Baldmin (Sonntag, 25 September 2016 15:11)

    Liebe Frieda
    Tolle geschichte von "Antje" letzte Reise, Volker war doch nicht serh froh daruber , Verstehe ich gut.
    Tolle bilder von die reise und von die Geburtstag im Norden.
    Vermisse dich und Kerstin
    Liebe euch Sanne

  • #8

    Julian (Sonntag, 25 September 2016 16:28)

    Was für ein EHRENVOLLER Wechsel von Kapitain zu Kapitain!
    Ein wirklich toller und mitfühlender Artikel!

  • #9

    Ramona (Montag, 26 September 2016 08:19)

    So schön und doch so traurig. Es hat eben alles irgendwann ein Ende.