Frieda in Swinoujscie (Polen)

 

Heute entführt Euch Frieda mal zu unseren Nachbarn nach Polen.

 

An der Grenze war sie natürlich, wie immer, wenn wir Neuland betreten, sehr aufgeregt.

 

Die Neugier siegt und was wir als erstes Feststellen, hui in Polen Autofahren, da ist alle Achtung gefragt. Man hat das Gefühl, dass dort gar keine Regeln herrschen, mal abgesehen, das es sich bei uns auch oft so anfühlt, aber wir haben eine ortskundige Fahrerin mit dem herrlichen Namen Anita und da fühlen wir uns sehr gut aufgehoben.

Unser Ort/Stadt heißt: Swinoujscie, zu Deutsch Swinemünde

www.swinemuende.eu

 

 

 

 

Ein wirklich süßes und schön gelegenes Städtchen gleich hinter der Grenze. Das Auto ist in der Nähe der Promenade noch gar nicht richtig zum Stillstand gekommen da ist unser Schäfchen auch schon auf ihren kleinen Klauen auf und davon!

 

Wir traben gemütlich hinterher, lassen die Stadt auf uns wirken, sehen sie noch an einer Übersichtstafel, gehen davon aus, dass sie sich wohl anschaut wohin sie überall möchte, aber ehe wir nun den Weg dorthin geschafft haben, ist unsere Madame schon wieder weiter.

 

Puh, was für ein langer Satz, aber es beschreibt auch die klitzekleine Hektik, die die kleine Dame immer umgibt.

 

Wir hören sie ganz laut, mit ihrem MÄHHHHH am Zaun hängen. Alles schaut zu ihr hinüber, denn sie macht wirklich ein Heidenspektakel. Als wir zu ihr kommen sehen wir es schon und hören es vor allem: „Schaut mal was wir für ein Glück haben, Benno (erinnert ihr Euch, Frieda war beim Weltrekordversuch der größten Sandburg in Duisburg dabei) ist auch hier!“

Ach Frieda, auch wenn hier eine Sandfigur steht heißt es nicht, dass Benno und sein Team auch hier verweilen. Es gibt viele Künstler die durch die ganze Welt reisen.

Sie lässt uns keine Ruhe. Sie besteht darauf, dass wir Benno anschreiben, um zu fragen, ob er in der Nähe ist. Frieda spricht so oft von Benno, sie hat ihn wirklich mit samt seiner Crew ins Herz geschlossen. Dieser antwortet Gott sei es gedankt, auch umgehend und schreibt Frieda, dass er leider nicht vor Ort ist und ein anderes Team dieses Sandburgenfestival bestreitet.

 

Frieda ist etwas enttäuscht, zieht eine Schippe, dreht sich um und meint noch:„Na ja, Bennos Sandburgen sind sowieso viel schöner, ätsch!!“

Wir erklären ihr, dass sie selbst es wohl so sehen & empfinden kann, aber es Menschen gibt, die auch so etwas können und erklären ihr, dass wir so eine Äußerung nicht für so gut halten.

Sie zieht schmollend fort und wir bummeln ihr langsam hinterher.

Nach kurzer Zeit hören wir sie schnattern, aber nicht mit sich selbst, oder mit einem kleinen Käfer, der auf dem Boden umher krabbelt. Mh, mit wem unterhält sie sich denn jetzt?? Schauen wir gerade richtig? Sitzt sie tatsächlich mit ihrer Nase in einer Tüte?

Oh Oh….wir kommen näher und wir hören Frieda säuseln: „Oh wie das duftet, oh wie das riecht und mein Bauch der knurrt doch so sehr. Ich muss das unbedingt probieren!“

Auch uns steigt jetzt der Duft in die Nase und es riecht wirklich mehr als verführerisch.

Frieda stellt uns Ewa vor. Ja richtig gelesen, Ewa mit W.

Wir haben Glück, Ewa kann recht gut deutsch. Wir müssen gestehen, wir können nicht ein einziges Wort polnisch sprechen, geschweige denn verstehen. Wir bedanken uns daher ganz herzlich, dass Ewa unsere Frieda so freundlich bedient hat und erklärt uns, was wir denn nun eigentlich da essen.

Es nennt sich Kolatsche

Ganz kur vorweg: Kolatsche heißt spezifisches, rundes Gebäck.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kolatsche

 

 

 

 

 

 

 

Es schmeckte herrlich, jedenfalls das bisschen was wir probieren durften. Ihr kennt ja unser kleines, verfuttertes Schäfchen. Abgeben ist ja nicht so ihre Stärke, wir arbeiten daran, aber wenn es ihr mundet.

 

Nachdem wir uns gestärkt haben bummeln wir durch Läden und schauen uns die Schaufenster an, sehen tollen Schmuck der aus Bernstein hergestellt wird und vieles, vieles mehr.

„Da glitzert es und wie??!“ hören wir sie noch rufen.

Wir sehen sie, wie sie um zwei Straßenkünstler als Statur  in Silber gehüllt, umher springt.

„Mh, die bewegen sich ja gar nicht, kommt aus dem kleinen, frechen Schäfchenschnäuzchen!“

Frieda macht alle erdenklichen faxen aber nichts tut sich. Keiner der Zwei Staturen lässt sich auch nur zu einem Blinzeln hinreißen. Frieda spricht sie an, dass sie antworten müssten, springt drum herum aber nix tut sich, es bleibt uns nichts anderes zu, als zu schmunzeln. Dann wirft auch noch jemand Geld in das Körbchen das vor den Beiden steht. Frieda schlägt solche Kapriolen, weil sie ja genau aufpassen möchte, ob sie nicht doch noch einen Wimpernschlag erhascht und als sichBeide doch noch mit einer solchen Eleganz bedanken, dass wir anschließend ganz verzaubert sind.

 

Wir bekommen Frieda kaum noch von diesem Ort weg, denn sie ist auch auf der Suche nach einem Sockel und versucht sich nicht zu rühren.

 

 

 

Wir versprechen ihr auf dem Rückweg noch einmal an diesem Ort vorbeizugehen. Sie lässt sich darauf ein und wir beschließen noch einmal ans Meer zu gehen.

Obwohl es November ist und die Temperaturen normal für dies Jahreszeit ist, kann man es am Meer immer aushalten oder?

Also wir sind kuschelig  eingepackt und ab geht es an den Strand.

 

 

 

 

 

Ein riesiges Passagierschiff läuft gerade Richtung Swindemünde ein und hat unsere volle Aufmerksamkeit.

 

Frieda läuft in Richtung Schwäne, die sich ihre Zeit am Strand vertreiben und mit Sicherheit von vielen Strandbesuchern und besonders Eltern mit Kindern gefüttert werden.

 

Wir beobachten Frieda, sie ist ganz entspannt und endlich mal nicht, wie auf der Flucht. Sie genießt den Tag und wirkt sehr entspannt und ruhig und dieses gefällt uns natürlich sehr, denn dann ist es auch ruhig und entspannt für uns 😊

Kurz danach sehen wir, wie sie förmlich erstarrt und ihr Blick ganz fest in eine Richtung geht und plötzlich richtig laut ruft: „Ja, sind die denn Lebensmüde? Was machen die denn da? Haben die noch nicht bemerkt, dass der Sommer vorbei ist? Haben die Beiden eine Wette abschlossen, wer zuerst blau vor Kälte anläuft, oder testen sie Badekleidung aus dem Sommerschlussverkauf, ob sie Strandtauglich ist und nicht die Farbe verliert?

Und dann sehen wir es auch und frieren automatisch am ganzen Körper, das die Zähne klappern.

Wir schweben zwischen *die sind Verrückt* und *alle Achtung, wie abgehärtet sie sind*

Also Frieda würde nicht mal mit einer Spitze ihrer Klauen ins Wasser tippen, das lässt sie uns mal gleich wissen.

 

 

 

Kaum drei Atemzüge voller Meeresluft eingesogen, sehen wir sie an ganz vielen Kerzen bzw. bei näherem Hinsehen sind es Grabkerzen, sitzen. Frieda wird ganz ruhig und andächtig. Sie schaut uns an und fragt:

„ Warum  stehen die hier am Strand und soooo viele?“

Wir erkennen, dass die Lichter in Kreuzform aufgestellt wurden. Ob hier ein Unglück geschehen ist? Wir fragen Passanten, aber entweder werden wir nicht verstanden oder die Passanten wissen es auch nicht.

Irgendwie haben wir ein Gefühl, dass dies hier ein Ort der Trauer ist und hier besonders an Menschen gedacht wird.

Ein paar Tage nach unserem Ausflug haben wir der Gemeinde in Swindemünde geschrieben und nachgefragt, warum so viele Kerzen in Kreuzform am Strand sind.

 

Wir bekommen in der Tat eine Antwort:

 

*Goodmorning,Thankyouforyoure-mail.

Whatyousaw on thebeachwheresomecandlesdevotedtopeoplewho lost theirlives in thesea. It was connectedto All Saint’s Day, whichiscelebrated in Poland on 1st November. People useto light somecandlesthen in memoryofpeoplewhoarenolongeramongus.

Best regards,

Monika B.

(Guten Morgen, Danke für Ihre E-Mail.
Was Sie am Strand gesehen haben, wo einige Kerzen Menschen gewidmet sind, die ihr Leben im Meer verloren haben. Es war mit Allerheiligen verbunden, der am 1. November in Polen gefeiert wird. Die Menschen benutzen einige Kerzen, um sich an Menschen zu erinnern, die nicht mehr unter uns sind.
Freundliche Grüße, Monika B.)

 

Liebe Frau Monika B.

vielen herzlichen Dank für ihre Antwort.

Frieda & Crew

 

Ja, das war auch unser Gefühl, dass Menschenhier an Menschen Gedenken, die das Meer verschlungen hat bzw. ihr Leben dort gelassen hat.Es zeigt uns auch immer wieder, dass Menschen Orte brauchen um zu trauern. Natürlich kann es jeder für sich in einem Raum, aber Orte, die den Gefühlen Raum gibt, sind so wichtig.

 

Wir sind noch eine Weile dort und halten inne. Es berührt uns auf besondere Art und Weise.

 

 

 

 

 

Irgendwann neigt sich unser Tag in Swinemünde und wir haben Frieda ja noch etwas versprochen.

Wir gehen abermals zu den silbernen Künstlern. Frieda fällt sofort auf, dass sie nun ganz anders dort stehen. „AHA!!“ sagt sie laut, „sie bewegen sich also doch!“

Frieda hat die allerhöchste Hochachtung davor wie die Zwei den ganzen Tag so still stehen können und wirklich nicht mal mit den Wimpern zucken. Aber Frieda hat wie immer Glück und die zwei wollen für diesen Tag ihre Kunst beenden und diese Chance nutzt Frieda natürlich sofort und spricht sie an. Sie erzählt beiden, dass sie sie schon am Mittag gesehen hätte und dort gewesen wäre. Die silberne Dame sagt zu Frieda: „ Ja, ich hab dich gesehen, wie du umhergesprungen bist, ich aber nicht lachen durfte, was mir echt so schwer gefallen ist“ und sie lächelt Frieda an. Frieda ist ganz erstaunt, denn es sah aus, als wenn ihre Augen immer geschlossen waren. „Nein, das täuscht, wir können immer alles um uns herum sehen, das macht es für uns auch so schwierig“ Frieda schmunzelt und meint: „Ja, ich finde das ist so toll was ihr hier macht ich bewundere euch so sehr!!“

 

Frieda schenkt Beiden ihr herzlichstes Lächeln und fragt: „Mögt ihr ein Bild mit mir gemeinsam machen. Ich hätte gerne eine Erinnerung?“

Jetzt sieht Frieda auch das Lächeln von Beiden und meint: „Seht, ihr seid doch nicht in Stein gemeißelt und das Lächeln steht euch so gut!“

Wir bedanken uns von Herzen, denn unsere Wege trennen sich. Danke für diesen kurzen aber netten Austausch, Frieda lässt Euch herzlich Grüßen!!!

Frieda springt erst noch ein Weilchen Frohgelaunt vor uns hin& her, aber die Sprünge werden kleiner und irgendwann schaut sie uns fragend an. Wir sehen schon sie kann nicht mehr laufen und wir sind mit Shopping Taschen bepackt und auch unsere Füße schmerzen.

Zum Auto ist es aber noch ein ganzes Stück und dann schaut Frieda uns mit leuchtenden Augen an. Sie hat eine Kutsche gesehen und rast mit ihren letzten Kraftreserven und ist bereits mit ihren Beinchen dorthin unterwegs. Frieda und der Kutschfahrer unterhalten sich mit Händen und Klauen, aber Frieda schafft es in der Tat eine Kutschfahrt bis direkt vors Auto zu organisieren.

 

Tze, tze und glaubt bloß nicht, dass sie uns gefragt hätte, ob wir mit möchten, nein Madame genießt es in vollen Zügen und zwar ALLEIN auf dem Kutschbock! Wir sehen sie gemütlich Plauschen, in welcher Sprache auch immer!?

 

Ein wenig ist es auch Erholung für uns 😊

 

Die Heimfahrt wird recht ruhig und Frieda schlummert schon einmal selig vor sich hin.

 

Anita, wir möchten DANKE sagen, dass Du mit uns diesen Ausflug gemacht hast und uns so viel gezeigt und erzählt hast. Wir hatten jede Menge Spaß mit Dir und der Tag war voller Überraschungen und Freude. Unseren herzlichen Dank dafür an dieser Stelle.

 

Ist es nicht verrückt? Wir jetten in entfernteste Ländern, müssen uns dafür impfen lassen, das wir nicht von irgendwelchen Mückenstichen erkranken, müssen uns durchleuchten lassen, wer wir sind, woher wir kommen und..und..und.

Dabei gibt es Länder, die an unserem Land grenzen und denen so wenig Beachtung geschenkt wird. Warum eigentlich? Vorurteile gibt es viele, aber es gibt auch so viele andere schöne Dinge, die man erkunden kann und auch sollte!

Na klar- andere Kulturen, andere Sitten, aber das macht auch die Welt herrlich bunt,

 

in diesem Sinne,

 

Eure Frieda & CREW

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Jana (Freitag, 01 Dezember 2017 16:58)

    Hallo Frieda auch ich habe schon Ausflüge mit Anita nach Polen gemacht. Ich weiß also genau wieviel Spaß ihr hattet ��

  • #2

    Gustav Gans (Sonntag, 03 Dezember 2017 09:09)

    Liebe Frieda
    wundervolle Geschichte und tolle Bilder, mit schöner Botschaft.
    Wir möchten dir und deiner Crew einen besinnlichen und festlichen 1. Advent wünschen.
    Deine Familie Gustav Gans

  • #3

    Susa (Dienstag, 05 Dezember 2017 21:37)

    Herrlich leichte kurzweilige Geschichte,.
    Besonders gefallen mir die silbernen Künstler.